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Artikel (04.03.2006)

Fast wie bei Mama im Bauch - Babys haben nichts gegen kleine Tauchgänge beim Schwimmkurs

Wertheim. Die ersten sozialen Kontakte des Babys zu Gleichaltrigen sowie die Erinnerung an vorgeburtliche Umgebung, das Fruchtwasser im Mutterleib, sind nicht die einzigen Gründe, die für einen Babyschwimmkurs sprechen.

»Der Begriff ?Babyschwimmen? ist eigentlich völlig falsch«, meint Ingo Ortel, der als ausgebildeter Kursleiter das Babyschwimmen leitet. »Die Kinder lernen bei mir nicht das Schwimmen - besser wäre da schon der Begriff ?Wassergewöhnung?«. Ziel sei, die allgemeine körperliche Entwicklung zu fördern. Dass dies durch Babyschwimmen gelingt, bewiesen wissenschaftliche Untersuchungen.

»Es geht auch darum, die Kleinkinder an das Umfeld Hallenbad zu gewöhnen«, berichtet Ortel, der auch Betriebsleiter und Schwimmmeister des Wertheimer Hallenbades ist. »Das fängt schon beim Duschen an.« Sieben bis neun Teilnehmer - als Teilnehmer gilt je eine erwachsene Person mit einem Kind - treffen sich jeweils zu einer Kurseinheit, die 45 Minuten umfasst. Oft komme nur ein Elternteil - meistens die Mutter. »Wir streben aber an, dass auch die Väter dabei sind«, so Ingo Ortel. »Das ist für viele Übungen, die wir hier machen, von Vorteil.« Auch andere Familienmitglieder seien als zweite Begleitperson eines Kindes gern gesehen.

Die Kinder werden in drei Gruppen eingeteilt: In der ersten Stufe, die Babys im Alter von drei bis sechs Monaten umfasst, werden die Säuglinge allmählich an das Wasser gewöhnt und beispielsweise bei Schwenkübungen im Wasser bewegt. »Babys können im Wasser Bewegungen machen, die ihnen an Land nicht möglich sind«, weiß Ingo Ortel. »Das wird in den Babyschwimmkursen unterstützt.«

Viel Wert werde auch auf Musik und Körperkontakt der Eltern zu ihren Kindern gelegt. Vorraussetzung für die Teilnahme am Babyschwimmen sei, dass der Säugling den Kopf alleine halten könne.

Die von sieben Monaten bis zu einem Jahr alten Kinder in der zweiten Stufe hätten schon eine bessere Auffassungsgabe und die Fähigkeit, dazuzulernen. Greifübungen, zum Beispiel durch den Einsatz von Spielzeug, ständen nun auf dem Programm. Die Kinder der dritten Stufe sind von einem bis zu zwei Jahre alt und haben dementsprechend eine gefestigtere Muskulatur. »Das ist wichtig, denn nur so können sie sich mit Schwimmhilfen über Wasser halten«, weiß Ortel. Die Kinder würden daher an Schwimmflügel gewöhnt. »Wir machen auch Fortbewegungsübungen, indem wir die Kinder im Wasser nach Bällen oder Plastikschiffchen greifen lassen.«

»Mir ist wichtig, dass die Eltern selbst aktiv mit ihrem Kind arbeiten«, sagt der Schwimmmeister. Er gebe nur die Übungen vor und leiste Hilfestellungen. Denn: »Nach dem Kurs müssen die Eltern mit dem Kind im Wasser alleine klarkommen.« Die Entscheidung, eine Übung mitzumachen oder nicht, überlässt Ingo Ortel Müttern und Vätern. »Es ist alles freiwillig.« Die meisten Kinder, die in meinem Kurs waren, sind richtige Wasserraten geworden Ingo Ortel, Schwimmmeister und Kursleiter.

Auch bei dem heikelsten Thema im Babyschwimmkurs, dem Tauchen, geschehe alles auf freiwilliger Basis. »Natürlich bereiten wir die Kleinen gut auf das Tauchen vor«, sagt Ortel. Dies geschehe beispielsweise durch das Begießen des Kindes mit Wasser. »Durch den angeborenen Schutzreflex kann dem Baby nichts passieren.« Der Schutzreflex, den Kinder im Alter von drei bis sechs Monaten hätten, führe bei geringen Wassermengen im Rachen dazu, dass der Kehlkopf sich automatisch verschließe und die Atemmuskulatur gehemmt werde. »Nach den ersten sechs Monaten lässt der Reflex nach«, weiß Ortel. »Dann muss das Tauchen trainiert werden.«

»Ich möchte, dass sich das Babyschwimmen jeder leisten kann«, so Ortel. »Wir sind deshalb im Vergleich zu anderen Babyschwimmkursen sehr günstig.« Der Preis gilt für je einen Erwachsenen und ein Kind - weitere erwachsene Personen zahlen nur den Eintrittspreis für das Hallenbad.

Die Kurse finden stets am Wochenende statt. Saison haben die Babyschwimmkurse allerdings nur zu den Zeiten, in denen das Hallenbad Wertheim geöffnet ist - also von Oktober bis Mai. Nur eine Vorraussetzung müssen Eltern mitbringen: Sie dürfen selbst keine Scheu oder Angst vor dem Wasser haben. »Das merkt das Kind sofort und ahmt es nach«, sagt Ingo Ortel.

Wichtig sei, auch nach den Kursen weiterhin mit den Kindern schwimmen zu gehen, damit der Spaß am Wasser erhalten bleibe. »Die meisten Kinder, die in meinem Babyschwimmkurs waren, sind richtige Wasserratten geworden.«Johanna Hyn

Informationen zum Babyschwimmkurs: Ingo Ortel, 09342/249012 und 0179/22939074; E-Mail: i.ortel@badebetrieb.de

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Geschrieben von
Johanna Hyn
für Wertheimer Zeitung